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Divas auf Reisen

 

Kairo 2007- Text von Yasira

Bilder können durch anklicken vergrössert werden!

Flug & Fahrt in die Stadt
Schon abends vom Flugzeug aus bot Kairo einen gewaltigen Anblick, die vielen Lichter schienen kein Ende zu nehmen! Sogar einen kurzen Blick auf die beleuchteten Pyramiden von Gizeh konnte ich erhaschen. Bei der Fahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum durfte ich bereits den typischen, ägyptischen Fahrstil kennen lernen: wer mehr Gas gibt und lauter hupt, kommt zuerst dran! Praktisch alle Taxis und auch manche Privatautos sind mit zahlreichen Beulen übersät und machen eher einen schrottreifen als fahrtauglichen Eindruck. Ampeln und Fussgängerstreifen fehlen grundsätzlich und das Fahrtempo ist infolge des enormen Verkehrs auf ruckartige Weise schleichend. Anmerkend gilt es noch zu sagen, dass der Smog in Kairo wirklich enorm ist und man sich nach einer Woche fragt, wie wohl die eigenen Lungen diese Belastung überstehen werden...

Kairo ist nicht Europa
Bereits am ersten Morgen musste ich einsehen, dass Kairo nun mal nicht in Europa liegt. Der 15-minütige Spaziergang zum Midân et-Tahrîr, bekleidet mit Jeans, T-Shirt und Sandalen, kam einem Spiessrutenlauf nahe. Die Blicke der Frauen waren genauso unverhohlen wie die der Männer. Es fiel mir auf, dass praktisch keine Ägypterin ohne Kopftuch unterwegs war und auch einige vollverschleierte Frauen konnte ich erblicken. Und dies bei Temperaturen über 30 Grad, was im November sogar für ägyptische Verhältnisse recht warm war. Um den unangenehmen Blicken zu entgehen, entschied ich mich fortan lieber in Begleitung oder im Taxi zu bewegen. Taxi-Tipp: die Zahlen 1-20 und ein paar zusätzliche Wörter arabisch lernen, um mit dem Taxifahrer zu feilschen. Das reduziert glatt den hoch angesetzten "Touristenfahrpreis".

 

 
 
Sultan Hassan Moschee
Yasira & Rakia Hassan
Yasira bei der Anprobe
 
           

Besuch bei Rakia Hassan
Rakia Hassan gilt als einer der frühen, grossen Stars der ägyptischen Tanzszene. Vor ihrer Solokarriere tanzte sie in der legendären Mahmoud Reda-Truppe. Heute reist sie um die ganze Welt, um Tanzbegeisterten ihren berühmten, eigenen Tanzstil zu vermitteln. Meine Kollegin Lea nahm über längere Zeit Unterricht bei Rakia Hassan und ist mittlerweile mit ihr befreundet. Dementsprechend herzlich wurden wir in ihrer Wohnung empfangen. Rakia scheint eine sehr liebenswürdige aber auch energische Person zu sein und ist selten ohne ihr Hündchen "Chocolata" anzutreffen.

Tanzstunde
Die erste Tanzlektion genossen wir bei Nani Sabri, einer jüngeren, recht bekannten Lehrerin. Innerhalb einer knappen Stunde wurde uns ohne grosse Erklärungen eine komplette Choreografie gezeigt. Angesichts der Tatsache dass Nani kaum Englisch sprach, war dies eine echte Herausforderung. Zum Glück beherrscht Lea den arabischen Grundwortschatz. Beim Anblick meines Wipp-Shimmys griff Nani sofort ein und erklärte mir mit vehementem Kopfschütteln, dass man den Shimmy nicht mit leicht gebeugten, sondern mit komplett gestreckten Knien ausführe. Später beim Unterricht mit Rakia lief es gar so, dass sie einen Choreoteil zweimal vorzeigte, daraufhin den Raum verliess und erst wieder auftauchte, nachdem die Bewegungen ausgiebig geübt worden waren und fehlerfrei sassen. Der Knüller war dann der kleine, ältere Choreograph der uns mit charmantem Lächeln einen Stocktanz beibrachte und immer wieder betonte, dass wir kecker gucken und verführerischer lächeln sollen, da dies das A und O des Tanzes sei. Der Tag war ein echtes Highlight!

Kostüm-Atelier
Seit etwa einem Jahr besitzt Rakia ihre eigene Kostümschneiderei, wo die neuste Kairoer Tanzmode entworfen wird. Da ich dringend ein neues Kostüm brauchte, kam es dass ich einen Nachmittag lang mit konstanter Umzingelung von zwei Helferinnen etwa 30 Kostüme anprobieren durfte, die dann sogleich von mehreren Zuschauerinnen kommentiert wurden. Nebst Lea und mir waren ein paar Tänzerinnen zu Besuch, die ebenfalls auf der Suche nach dem letzten Schrei der Tanzmode waren. Die Tänzerinnen treten regelmässig in den schicksten Hotels und Restaurants der Stadt auf. Um sich ein neues Kostüm leisten zu können, müssen sie einige Nächte lang tanzen.

Tanzshow im Marriott
Wir entschieden uns für die Tanzshow im Hotel Marriott, um die neue Tänzerin dort zu sehen. Die Show war recht nett, wobei die coole Live-Band viel mehr überzeugte als das tänzerische Können der "Neuen". Etwas enttäuscht verliessen wir morgens um 2 Uhr den Club und wünschten uns, wir hätten doch das Sheraton besucht, um das Leas Lieblingstänzerin Soraya zu bestaunen. In Kairo tanzt man übrigens nicht bauchfrei, sondern mit Bauchnetz, sonst droht eine Busse der Sittenpolizei. Die einzige, die sich bauchfreie Auftritte leisten kann, ist der gegenwärtige Superstar der ägyptischen Tanzszene: Dina!


 
 
Tanzshow im Marriott
Imbissladen
Pyramiden von Gizeh
 

 

 

     

Shoppen im Khan el-Khalili
Ein Gewimmel aus Kauf- und Schaulustigen und Verkäufern herrscht in den Gassen des riesigen Basars. Jeder Gegenstand ist in 1000facher Ausführung vorhanden und jeder Händler bietet die bessere Ware zum vorteilhafteren Preis an! Dies führt innert kurzer Zeit zu totaler Reizüberflutung, so dass man bald, ohne links und rechts zu schauen, zum angepeilten Laden eilt. Unser Ziel war ein etwas versteckter Eingang: das Schlaraffenland aller Bauchtanzenden! In einem schönen Haus wird auf mehreren Stöcken in edlen, hölzernen Vitrinen alles präsentiert, was das Tänzerinnenherz begehrt. Nach über einer Stunde stolperten wir mit vollen Einkaufstüten in die überfüllte Gasse zurück und liessen uns erschöpft nach Hause fahren. Für ein nächstes Mal werde ich noch mehr Zeit, eine längere Einkaufsliste und ein paar zusätzliche Koffer mitnehmen.

Meine persönlichen Highlights in Kairo

Abendliche Nilfahrt in der Falluka: Die kleinen mit bunten Lichtern dekorierten Boote sind mit Stereoanlagen ausgerüstet: so wird der Ausflug auf dem Wasser mit hipper Musik und ein paar Freunden zum echten Partyabend!

Dinner im Abou El-Sid: Soll eines der edelsten Restaurants der Stadt sein. Das ausgezeichnete Essen geniesst man in Barocksesseln an edlen, grossen Tischen und in einem Ambiente, das an 1001 Nacht erinnert. Ein Besuch im Abou El-Sid ist ein absolutes Muss!

 
    alle Fotos von Yasira